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Digital Commons 2.0

Digital Commons 2.0 markieren den Wandel von Idee zu Architektur: Geteilte Datenräume und Infrastrukturen werden strategisch – nicht nur geteilt, sondern gebaut, regiert und ökonomisch verankert. Machtfragen, Governance und Teilhabe…

October 29, 2025 · 4 min read

Digital Commons 2.0

Digital Commons 2.0 markieren den Wandel von Idee zu Architektur: Geteilte Datenräume und Infrastrukturen werden strategisch – nicht nur geteilt, sondern gebaut, regiert und ökonomisch verankert. Machtfragen, Governance und Teilhabe rücken ins Zentrum.

Als strategische Architektur gedacht

Im Jahr 2025 zeigen Studien und Projekte: Die Governance und Nutzung digitaler Commons – also gemeinschaftlich geteilte digitale Infrastrukturen, Datenräume und Plattformen – erreichen eine neue Phase. Zum Beispiel analysiert eine aktuelle Arbeit die Governance-Strukturen von MakerDAO, MolochDAO und Commons Stack: Obwohl dezentral gedacht, zeigen sich Machtkonzentrationen, votingschwache Communities und ein Spannungsfeld zwischen Commons-Idealen und digitalen Eliten (Esposito, Tse & Goh, 2025).

Gleichzeitig plädiert das World Economic Forum (2021) dafür, digitale Infrastruktur als Commons zu betrachten – nicht länger allein als privates Kapitalgut, sondern als öffentliches Wertmedium. In der Praxis etwa zeigt der „Data Space“-Use Case in der deutschen Energiewirtschaft, wie dezentrale Datenaustausch-Infrastrukturen innerhalb weniger Stunden den Wechsel eines Energieversorgers ermöglicht haben – im Kern eine Commons-Struktur von Daten, nicht von Besitz (Rülicke et al., 2024). Und neuere Studien wie die von Bühler et al. (2023) zeigen, dass Datenkooperativen ein zentraler Weg sein können, um digitale Souveränität, Innovation und Fairness in datengetriebenen Ökonomien zu fördern.

Wir befinden uns im Übergang von Digital Commons als offene Idee hin zu Digital Commons als strategischer Architektur. Nicht mehr nur „wir teilen Daten“, sondern: „Wir bauen Systeme, Governance-Modelle und Ökonomien rund um geteilte digitale Ressourcen.“ Die Logik verschiebt sich: Von Besitz zu Kooperation. Von Kontrolle zu Teilhabe. Von Plattform-Monopol zu Commons-Ökosystem.

Wertegenerierung durch Mit- und Weitergabe

Wir befinden uns im Übergang von Digital Commons als offene Idee hin zu Digital Commons als strategischer Architektur. Nicht mehr nur „wir teilen Daten“, sondern: „Wir bauen Systeme, Governance-Modelle und Ökonomien rund um geteilte digitale Ressourcen.“
Die Logik verschiebt sich: Von Besitz zu Kooperation. Von Kontrolle zu Teilhabe. Von Plattform-Monopol zu Commons-Ökosystem.

Unternehmen, die heute digitale Infrastruktur noch als IT-Projekt verstehen, übersehen: Es geht um Wertgenerierung durch Mit- und Weitergabe, nicht nur durch Besitz.

Digitale Commons 2.0 verlangen ein neues Organisations- und Steuerungsverständnis:

  • Governance wird zur strategischen Fähigkeit, denn wer entscheidet über Daten, wer über Infrastruktur, wer erhält Teilhabe?
  • Kooperation wird Werttreiber. Netzwerke, Datenräume, API-Ökologien ersetzen lineare Wertschöpfung – Firmen, die ihre Daten hoardieren, verlieren Anschluss.
  • Infrastruktur wird kulturell und institutionell, denn Commons sind nicht nur technisch offen, sondern institutionell verankert – mit Regeln, Beteiligung, Nachhaltigkeit.

Für Unternehmen heißt das: Wert entsteht nicht mehr primär durch Produkt- oder Plattform-Eigentum, sondern durch Teil- und Mitgestalten von Infrastrukturen, die von vielen getragen werden – und in denen Glaubwürdigkeit, Teilhabe und Governance die Kapitalwerte sind.

Die Mehrheit der Organisationen behandelt digitale Infrastruktur weiterhin wie ein Asset: Abteilungs-IT, Plattform-Strategie, Outsourcing. Doch das ist zu kurz gedacht.

Der zentrale Hebel liegt nicht im Besitz von Technologie, sondern in der Gestaltung und Steuerung von Commons-basierten Systemen.

Digitale Commons 2.0 sind kein Nice-to-Have – sie sind Zukunftsfähigkeit.
Wer heute nicht beginnt, sein Geschäftsmodell, seine Infrastruktur und seine Datenökonomie auf Commons-Logiken zu prüfen, riskiert: den Anschluss an neue Wertschöpfungsnetzwerke zu verlieren, Steuermacht in digitalen Systemen abzugeben und zur Ressource anderer statt Gestalter eigener Infrastruktur zu werden.

Viele Führungsteams Übersehen, dass…

  • … ihre Daten- und Infrastrukturstrategie nicht internes Eigentum bleiben darf, sondern Teil größerer Ökosysteme sein muss;
  • Governance-Architekturen fehlen, die Commons-Prinzipien – Partizipation, Transparenz, Dauerhaftigkeit – operationalisieren;
  • das Verhältnis von Privatem und Gemeinsamen neu ausbalanciert werden muss – andernfalls wird man Spielball statt Gestalter.

Quellen:

Bühler, M., Schuler, C., Fischer, A., & Zenk, L. (2023). Unlocking the power of digital commons: Data cooperatives as a pathway for data sovereign, innovative and equitable digital communities. University of St. Gallen. https://doi.org/10.48550/arXiv.2304.05620

Esposito, M., Tse, T., & Goh, D. (2025). Decentralizing governance: Exploring the dynamics and challenges of digital commons and DAOs. Frontiers. https://www.frontiersin.org/journals/blockchain/articles/10.3389/fbloc.2025.1538227/full 

Rülicke, D., Schäfer, P., & Klein, F. (2024). Exploring decentralized data management: A case study of changing energy suppliers in Germany. SpringerOpen. https://doi.org/10.1186/s41265-024-00212-x 

World Economic Forum. (2021). The case for the digital commons. World Economic Forum. https://www.weforum.org/reports/the-case-for-the-digital-commons