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Im Fokus: Das Zukunftsquartett

Manchmal braucht es nur ein Spiel, um die Zukunft ein Stück näher heranzuholen und in ein Format, das Neugier weckt, zum Vergleichen und Weiterdenken einlädt, und dabei Fragen aufwirft, die im Alltag oft unbeachtet bleiben. Ein kleiner…

December 10, 2025 · 5 min read

Im Fokus: Das Zukunftsquartett

Manchmal braucht es nur ein Spiel, um die Zukunft ein Stück näher heranzuholen und in ein Format, das Neugier weckt, zum Vergleichen und Weiterdenken einlädt, und dabei Fragen aufwirft, die im Alltag oft unbeachtet bleiben. Ein kleiner Rahmen, der groß genug ist, um neue Perspektiven entstehen zu lassen.

Weit Denken neu gedacht

Wer hat es schonmal selbst gespielt?

Ein Kartendeck im französischen Blatt wird zwei bis vier Spielern zufällig verteilt. Reihum wird dann versucht, zu jeder der auf der Hand liegenden Karten seine drei Äquivalente bei den Gegenspielern zu erfragen und damit ein Quartett zu bilden.

Modernere Versionen bringen einen Twist mit rein: Karten können themenbezogen sein und je nach Komplexität nicht mehr einfach nur Symbole und Ziffern beinhalten, sondern Werte – z.B. von Fahrzeugen, Flugzeugen, Tieren usw.
Wer hier nach einem bestimmten Wert auf den Karten fragt und mit seiner Karte dabei besser liegt als seine Gegenspieler, übertrumpft und gewinnt die gegnerischen Karten.

Eigentlich ganz einfach, oder?

Das thematische Quartett (z.B. zu Automobilen) entstand nicht zufällig, sondern aus einer Kombination von Zeitgeist, Spielidee und wirtschaftlichen Interessen. In den 1950er- und 60er-Jahren wurde das Auto zum Symbol für Aufbruch und Zukunft, und Kinder waren fasziniert von allem, was mit Motorisierung zu tun hatte. Ein Kartenspiel, das echte Fahrzeugmodelle zeigte und ihre technischen Daten vergleichbar machte, traf damit genau den Nerv der Zeit.

Gleichzeitig bot das Thema etwas, das klassische Quartette nicht hatten: objektive Werte wie PS, Hubraum oder Geschwindigkeit. Diese machten direkte Vergleiche möglich und führten zum einfachen Trumpf-Prinzip – ein Spielmechanismus, der schnell verstanden wurde und für Spannung sorgte. Nebenbei lernten Kinder technische Begriffe und entwickelten ein Gefühl für Leistungsunterschiede.

Hinzu kam ein pragmatischer Vorteil für die Autohersteller. Viele unterstützten die Produktion solcher Spiele, weil ihre Modelle so auf spielerische Weise präsent waren. Eine Karte im Quartett wurde zu einer kleinen Werbefläche, auf der sich Marken unauffällig, aber wirkungsvoll positionierten.

Es war eine Mischung aus kindlicher Technikbegeisterung, einem cleveren Spielmechanismus und dem Interesse der Automobilindustrie.

Ein Quartett ist ein Vehikel (no pun intended), um Themen- und Objektwelten auf ihre wesentlichen Merkmale runterzubrechen und diesen auch noch eine spaßige Handhabung zu verleihen. Genau das ist die Idee hinter unserem Zukunftsquartett – Zukunftsthemen und -technologien einfach dargestellt mit Vergleichswerten.

Je größer und abgefahrener die Idee – desto wertvoller die Karte.

Unsere Idee vom „Wesentlichen“ ist beim Zukunftsquartett: Eintrittsdauer, Nachhaltigkeit, Impact, Shock Level, Status und der Beitrag zur Veränderung der Menschheit auf der Kardashow-Skala.

  • Eintrittsdauer
    Wenn wir im Business oder im Alltag über (meist) neue Technologien sprechen, ist der Zeitfaktor bis diese Technologien in Erscheinung treten ein wesentlicher. Je kürzer die Eintrittsdauer, desto schneller stehen Auswirkungen an. Manches lässt sich dabei zeitlich genauer Einordnen, Anderes eher weniger – so wie die erste bemannte Marsmission zum Beispiel.
  • Nachhaltigkeit & Impact
    Wie nachhaltig ist eine Technologie und wie hoch ist der Auswirkungsgrad auf die Gesellschaft? Kalte Fusion gilt beispielsweise als eine der potenziell nachhaltigsten Energietechnologien überhaupt, weil sie – zumindest theoretisch – enorme Energiemengen ohne Emissionen, nennenswerte Abfälle oder große Sicherheitsrisiken bereitstellen könnte. Ihr gesellschaftlicher Impact wäre entsprechend gewaltig: günstige, nahezu unbegrenzte Energie würde Industrie, Mobilität und globale Versorgungssysteme grundlegend verändern.
  • Shock Level
    Die Future Shock Level sind ein kommunikatives Werkzeug, dass innerhalb des frühen Online-Diskussionsforums SL4-Mailingliste (späte 90er/ frühe 00er) formuliert wurde und um zu beschreiben, wie stark Menschen auf (neue) Technologien reagieren bzw. wie „schockiert“ sie im Eintrittsfall einer Technologie wären (vgl. Yudkowsky, 1999). SL0 beschreibt einen komfortablen und alltäglichen Umgang mit Technologie – aus heutiger Deutscher Sicht also mit der Rolltreppe, dem Bankautomaten, dem Smartphone. Technologien mit SL1 wirken überraschender, disruptiver – ähnlich so wie ChatGPT vor 2022 oder das iPhone in 2007. SL2 – SL4 umfassen – aus heutiger Sicht –Themen wie interstellare Reisen, medizinische Unsterblichkeit, Singularität, Mind Upload, aber auch AGI.
  • Status
    Handelt es sich momentan nur um eine Konzeptidee? Einen Prototypen? Etwas, das bereits etabliert ist?
  • Kardashow-Skala
    Die Kardashow-Skala ist ein einfaches, aber sehr bekanntes Modell, um den technologischen Entwicklungsstand einer Zivilisation danach zu bewerten, wie viel Energie sie nutzen kann, vorgestellt in 1964 vom russischen Astrophysiker Nikolai Kardashow. Die Weltgemeinschaft befindet sich heute zurzeit auf der Skala bei ca. 0,7 – 0,8. Bei 1,0 wäre sie in der Lage, alle Energieressourcen des Planeten zu nutzen und zu speichern. Bei 2,0 wären wir in der Lage, die direkte Energie ihres beheimateten Sternes z.B. durch einen Dyson-Sphere (benannt nach Freeman Dyson, ursprünglich angedacht von Olaf Stapledon) zu beziehen. Bis wir hier angekommen sind, haben wir noch einige Jahre vor uns…

Das Quartett zwingt dazu, Komplexität auf wenige Kernmerkmale einzudampfen, ohne sie zu banalisieren. Genau dadurch wird es zu einem Werkzeug, das Diskussionen strukturiert, Perspektiven öffnet und überraschende Vergleiche sichtbar macht – etwa zwischen Technologien, die im Alltag längst präsent sind, und solchen, die heute noch wie Science-Fiction wirken.

Es ist nicht nur eine Inspirationsquelle, sondern auch als niedrigschwelliger Einstieg in Zukunftsdenken für Teams und Workshops. Es schafft ein gemeinsames Vokabular und senkt Hemmschwellen, weil es Zukunft nicht als abstraktes oder bedrückendes Thema präsentiert, sondern als etwas, das man anfassen, sortieren, vergleichen und vor allem gemeinsam besprechen kann.

Und weil das Spiel Themen im Hier und Jetzt ebenso abbildet wie weit entfernte Zukunftsvisionen – von KI-Assistenten bis hin zu Beamen oder interstellaren Reisen – lädt es dazu ein, ernsthafte Reflexion mit einem Moment des Staunens zu verbinden. So wird das Quartett zu einem kleinen Übungsfeld für strategisches Denken, zu einem Impulsgeber für Bildung und Teamentwicklung – und zu einem spielerischen Anlass, ein Stück weiter in die Zukunft zu träumen.

#DieSchönheitDerZukunft